Pille / Nuvaring absetzen Teil 1

Dieser Post kostet mich mehr, als nur Überwindung. Ich überlege schon seit langem, ob ich diesen Post veröffentliche und wie viel ich darin preis gebe. Ich habe mich dazu entschlossen, euch die komplette Story zu erzählen. Viele werden sicher denken, ich übertreibe völlig. Andere aber haben evtl. ähnliches durchgemacht oder machen es, wie ich, immer noch durch.

In den letzten Monaten habe ich immer wieder Nachrichten bekommen oder wurde angesprochen, ob alles in Ordnung sei, da ich nicht mehr so regelmäßig auf Instagram poste, oder ein bisschen in mich gekehrt wirke.

Ende Januar habe ich den Nuvaring abgesetzt, da ich mich nicht mehr mir künstlichen Hormonen vollstopfen wollte und mein Freund und ich auch in den nächsten Jahren Nachwuchs planen.

Anfangs habe ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was da auf mich zukommen könnte, da die meisten Frauen nach dem Absetzen, außer leichte Stimmungsschwankungen, die wir eh immer haben 😉 und unreiner Haut, nichts spüren.

Leider gehöre ich nicht zu den Meisten und zwei Wochen nach dem Absetzten ging es los: ständiges heulen wegen nichts, Ängste wegen jeder Kleinigkeit und ich war nicht mehr in der Lage mich für irgendeine Sache zu entscheiden. Dabei ging es nicht nur um Kleidung oder ähnliches, sondern allgemein um alles. Meine Haut ist seit dem völlig ausgerastet und hat sich leider bis heute nicht wirklich beruhigt.

Bei meiner Frauenärztin hieß es nur, dass das schon mal vorkommen kann und auch wieder vorbei geht. Soweit so gut.

Nach ein paar Wochen aber ging es erst richtig los. Im Gegensatz dazu waren die ersten Wochen nach dem Absetzten richtig angenehm.

Ich bekam immer wieder Panikattacken und habe mir ständig Krankheiten eingebildet. An einem Tag war es ein Schlaganfall (meine Backe war komplett taub), am anderen Tag hatte ich Angst, einen epileptischen Anfall zu bekommen (hatte ein paar Tage zuvor einen miterlebt) und zu guter Letzt dachte ich, ich werde schizophren. Ab diesem Moment hatte ich wirklich Angst vor mir selbst, da ich üble und komische Gedanken im Kopf hatte. Wie sich herausgestellt hat, haben diese Art von Gedanken sogar einen Namen: Sie nennen sich Zwangsgedanken. Das bedeutet, man erlebt im Kopf die „worst worst worst case“ Situation, das geliebten Menschen etwas zustoßen könnte und fühlt sich dafür verantwortlich. Dies kommt beispielsweise sssseeehhrrr häufig bei Frauen mit einer Wochenbettdepression zum Vorschein. Neben den Zwangsgedanken (die habe ich auch immernoch ab und zu), hatte ich einen ständigen Kloß im Hals und eine Art Gefühlslosigkeit, bei der du nicht weißt, ob du dich freust oder traurig bist. Es ist alles auf dem selben ätzenden Level. All diese Symptome deuten auf eine leichte bis mittelschwere Depression hin.

Na herzlichen Glückwunsch, ich und depressiv??? Das passt nicht zu mir. Und hätte ich von diesen eventuellen Nebenwirkungen gewusst, hätte ich damals nieee zur Pille oder dem Nuvaring gegriffen. Nach langem recherchieren und Selbstdiagnose bin ich wieder zu meiner Frauenärztin gegangen. Diesmal hieß es nur: „Ja wenn das so ist, verschreibe ich Ihnen direkt mal Antidepressiva“. Nun habe ich eine andere Frauenärztin 🙂

Für viele Ärzte ist es natürlich die einfachste  und ich denke auch die lukrativste Variante. Für mich jedoch war und ist es auch jetzt noch keine Option, da ich versuchen will, alles auf natürlichem Wege wieder in den Griff zu bekommen.

Als ich bei meiner Hausärztin in München war, schilderte ich ihr meine Sorgen. Sie meinte zu mir, dass das mit den Hormonen so ne Sache sei und ich doch nicht geglaubt hätte, dass nach 14 Jahren Pille und Nuvaring wieder alles beim Alten sein würde.

Ich dachte mir, endlich mal jemand, der ehrlich zu mir ist und nicht sagt: „das kann eigentlich nicht vom Absetzen kommen“ und „ du hast vielleicht einen Burn Out“.

Ihre Tipps haben mich bis jetzt am Weitesten gebracht und das alles ohne Antidepressiva 😉

( Die Tipps findet ihr in Teil 2 )

Mittlerweile habe ich den Nuvaring seid 6 Monaten abgesetzt und seit ein paar Wochen geht es mir wieder viiieeel besser. Die Panikattacken sind „nur“ zu einer innerer Unruhe geworden, die Gedanken werden klarer, ich kann mich wieder besser konzentrieren und die Gefühllosigkeit wird immer weniger.

Eine positive Nebenbwirkung nach dem Absetzten war bei mir eine meeeggaaa Gewichtsabnahme, ohne irgendwas dafür zu tun (ist aber bei jedem anders). Außerdem bin ich viiieeeel gelassener bei Dingen, die mich früher in kürzester Zeit auf die Palme gebracht hätten (z.B. beim Auto fahren ;)). Meine Haare und Fingernägel sind kräftiger (ist aber auch bei jedem anders) und ich fühle mich, trotz der oben beschriebenen Gedanken, viel klarer im Kopf; als wäre der „Hormonschleier“ abgefallen. Ich nehme die Dinge viel intensiver wahr und das ist wirklich toll 🙂

Ich hatte das Glück, ein paar Mädels in meinem Bekanntenkreis zu haben, die einen ähnlich Horror durchmachten. Da es im Internet nicht all zu viele Beiträge über dieses Thema gibt, habe ich mich dazu entschlossen, diesen Beitrag zu verfassen und ich hoffe, dass ich der Einen oder Anderen ein bisschen damit helfen kann.

 In Teil 2 erzähle ich euch, welche Hilfsmittel mir am besten geholfen haben.

Disclaimer:
Ich bin keine Ärztin, ich berichte lediglich von meinen eigenen Erfahrungen und teile meine persönliche Meinung mit!!!!!

2 Comments

  • Wow was für ein krasser Bericht.. Ich nehme schon ziemlich lang die Pille und hoffe wirklich, dass es mir nicht so ergeht wie dir, sollte ich sie mal absetzten 🙁
    Wirklich heftig, dass einem das niemand vorher sagt…
    Es freut mich aber sehr für dich, dass es dir mittlerweile wieder besser geht <3
    Hab einen wundervollen Tag <3
    Liebste Grüße,
    Sassi
    P.S Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung 😉

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